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Projektbeschreibung und Handlungsstrategien
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Evaluation
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Es wäre eine verkürzte Sichtweise, Armut allein als eine monetäre Mängellage zu betrachten. Ein geringes Haushaltseinkommen zieht meistens Benachteiligungen nicht nur in der materiellen Grundversorgung, sondern auch in anderen zentralen Lebensbereichen wie Gesundheit, Bildung, Kultur und soziale Teilhabe nach sich. Dieses Projekt möchte sich dem Lebensbereich der Kultur zuwenden, weil arme Kinder im Vergleich zu nicht armen Kindern große Defizite in der Ausstattung mit kulturellem Kapital aufweisen. Kulturelle Kompetenzen und Fertigkeiten sind jedoch häufig der Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung der Benachteiligung in den übrigen Lebensbereichen, sind sie doch Grundlage und Motor der geistigen, sozialen und beruflichen Entwicklung der jungen Menschen.

Zielgruppe sind die in Armut lebenden Kinder von Alleinerziehenden und Migrantenfamilien in benachteiligten Stadtteilen. Denn diese Kinder sind nicht nur dem größten Risiko ausgesetzt, dauerhaft in Sozialhilfe abzugleiten, sondern weisen in der kulturellen Kompetenz eklatante Defizite auf. Im Mittelpunkt des Projektes steht daher die Stärkung der Alltagskompetenz, Probleme und Herausforderungen des Alltags zu meistern. Das soll auf der Grundlage des Konzepts der Selbstwirksamkeit durch eine sozialraumorientierte Kinder- und Jugendkulturarbeit geschehen. Die Kernidee des Projektes liegt darin, über die beantragte Laufzeit von drei Jahren eine Veranstaltungsreihe in den ausgewählten Stadtteilen zu implementieren, in dessen Rahmen Kinder unter Anleitung eines erfahrenen Musik- oder Theaterpädagogen in ihrem Stadtteil Musicals zur Aufführung bringen.

Damit knüpft das Projekt an den positiven (inter-)nationalen Erfahrungen mit kulturell orientierten Projekten an und geht einen entscheidenden Schritt weiter. „Ku.Ki. - Kultur für Kinder“ verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der praktisch viele Kompetenz bildende Elemente enthält und von der theoretischen Grundlage her die unterschiedlichen kulturpädagogischen Konzepte zusammenführt. Darin liegt der innovative Charakter des Projektes. Das Musical als künstlerische Darstellungs- und Ausdrucksform wurde gewählt, da die Verbindung aus Tanz, Gesang, Musik und Schauspiel die individuellen Stärken und Neigungen von Kindern mehr Kompetenzen fördert und deswegen auch mehr Kinder anspricht als beispielsweise ein reines Theaterprojekt.
Handwerklich interessierte Kinder können Requisiten, Kleidung, Bühnenaufbauten etc. herstellen und gestalten, sprachlich Interessierte können in Schauspielerrollen schlüpfen, gesanglich Interessierte können die Gesangsparts übernehmen, sportlich-tänzerisch Interessierte können Choreographien einstudieren.
Damit steigen auch die Chancen, dass die Kinder nicht nur ihre eigenen unterschiedlichen Stärken kennen und schätzen lernen sowie Anerkennung erfahren, sondern auch die Leistungen und Fähigkeiten anderer respektieren und Teamfähigkeit ausbilden. Die Weckung der eigenen Spielfreude und Phantasie, die Förderung von Selbstwahrnehmung, individuellem Ausdruck und künstlerischer Darstellung sollen fatalistische Lebenseinstellungen überwinden helfen. Kinder in Armut sollen sich selbst und andere neu entdecken können – und zu Kindern im Aufbruch werden.
Diese integrativen Züge des Musicals macht es für die soziale und kulturelle Theater-/Kultur-/Musikpädagogik attraktiv. Im Vergleich zu reinen Tanz- und Musikprojekten (Hip-Hop, Breakdance etc.), aber auch Skulptur- und Kunstprojekten (Malerei, Bildhauerei etc.) spielt hier die Sprache eine große Rolle, so dass körperliche und kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten gleichzeitig gefordert und gefördert werden und einen breiteren Anwendungshorizont im Alltagsleben im Visier hat. Das Projekt vereint Sport und Bewegung (Choreographien), Sprachförderung, Selbstdisziplinierung und Gedächtnistraining (Erlernen von und Umgang mit Texten) und soziales Lernen (Teamwork). Damit unterstützt das Projekt auch die Bildungsziele, die im aktuellen Diskurs um PISA, Integration und Schulreform zum Abbau von sozialen Ungleichheiten und Bildungsbenachteiligungen postuliert werden.

Weiterhin hat das Projekt den Anspruch, schon während seiner Laufzeit konkrete Perspektiven nach Projektabschluss gemeinsam mit den beteiligten Kindern zu entwickeln und sich nicht auf eine „insulär-temporäre Projektarbeit“ zurückzuziehen, also z.B.
- einem Kind, das ein besonderes handwerkliches Geschick beim Requisitenbau an den Tag legt, an einen entsprechenden Ausbildungsberuf und -betrieb (Zimmermann, Tischler etc.) heranzuführen,
- ein tanzbegabtes Kind an entsprechende Sportvereine und Tanzschulen weiterzuvermitteln,
- ein sprachbegabtes Kind auf Kursangebote der VHS und auf Hobbytheatergruppen aufmerksam zu machen.

Das Projekt will in einem Kooperationsnetzwerk mit anderen Stadtteilakteuren zusammenarbeiten, dabei insbesondere die Situation und das Interesse an der Steigerung der Handlungskompetenz der von Armut betroffenen Kinder einbringen. Es bietet örtlichen Netzwerken die Chance, während der beabsichtigten Laufzeit die besondere Lebenssituation von Kindern in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit zu rücken. Mit den beteiligten und ggf. noch einzubeziehenden Partnern sollen gemeinsam Maßnahmen entwickelt werden, damit die Kooperation verstärkt und auf eine Verbesserung der Lebenssituation der Kinder hingewirkt wird. Dabei sind mit vergleichbaren Kooperationsnetzwerken zahlreiche übertragbare Anregungen und Erfahrungen vorhanden, an denen in einem zeitlich befristeten Projekt angeknüpft werden kann.
Durch Vernetzung im Stadtteil, insbesondere durch eine Zusammenarbeit mit örtlichen Handwerksbetrieben, Künstlern, Schulen, Jugendzentren, Service-Clubs (Rotary, Lions usw.) und Zeitungen könnten kostengünstig Materialien für Bühnenelemente beschafft und ggf. unter fachlicher Anleitung angefertigt, kostenneutral Räume für die Proben und die Requisitenherstellung gefunden, Chancen für weiterführende Schulen, Praktika und Berufe aufgezeigt und schließlich die angestrebte Aufmerksamkeit in der Stadt und im Stadtteil erreicht werden.
Ebenso wird angestrebt, sich schon während des Projekts aktiv um eine Fortführung des Projekts durch andere Akteure zu bemühen. Hierfür würde sich eine Schule im Stadtteil anbieten, in der dauerhaft ein Proberaum inkl. Lagerraum für Requisiten eingerichtet und unter der Leitung eines Kunst- oder Musiklehrers in Zusammenarbeit mit einem externen Musik-/Theaterpädagogen oder Künstler eine Musical AG angeboten wird. Eine solche Gemeinwesenarbeit bietet in ihren Aktivitäten ein Medium zur sozialen Integration, für die das Projekt als „Anschub“ dienen soll. Es soll die Bedingungen (Akzeptanz und Unterstützung durch die Akteure vor Ort, Akzeptanz bei der Zielgruppe, organisatorische und materielle Voraussetzungen) dafür schaffen, dass der Übergang von einem Projektangebot in ein zusätzliches Regelangebot erfolgreich verläuft.

Wichtiger Bestandteil des Projekts sind projektbegleitende, regelmäßig stattfindende Einzel- und Gruppengespräche, die dazu dienen sollen, nach dem Konzept der Selbstwirksamkeit die einzelnen Stationen des Entwicklungsprozesses bei den Kindern zu identifizieren, damit diese von den Kindern selbst reflektiert und für die weitere soziale und kulturelle Kinder- und Jugendarbeit fruchtbar gemacht werden können. Hierbei sollen auch die Eltern der Kinder in die Befragung miteinbezogen werden. Ein erfahrungsgestützter Leitfaden und Empfehlungskatalog zur Stärkung der Alltagskompetenz der von Armut betroffenen Kinder soll die gewonnenen Erfahrungen und methodischen Einsichten dokumentieren. In dem Empfehlungskatalog sollen die einzelnen Schritte beschrieben werden, die es künftigen Akteuren ermöglichen, ihre Ziele bei der Gestaltung neuer Projekte zu operationalisieren, d.h. messbar, planbar und terminierbar zu machen. Hierbei ist die unterschiedliche Ausgangslage an den beiden Standorten ebenfalls besonders zu berücksichtigen. Es soll ein Instrument entstehen, das von den Akteuren in kulturpädagogischen und sozialarbeiterischen Handlungsfeldern genutzt werden kann, um in Zukunft Projekte mit einem ähnlichen Ansatz und ähnlichen Zielgruppen erfolgreich zu implementieren. Die differenzierte Darstellung der Ausgangslage und der unterschiedlichen Durchführungsverläufe bieten der zukünftigen Praxis differenzierte Lösungsansätze für ähnliche Projektansätze. Die praxisorientiert aufbereiteten Erkenntnisse sollen sowohl für die Verbesserung der Lage der Kinder als auch für die Sozialarbeit und Kulturpädagogik nutzbar gemacht werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die begleitende sozialwissenschaftliche Untersuchung der alten und neuen Problemlagen der Benachteiligtengruppe durch Interviews/Umfragen mit Experten und Betroffenen vor Ort. Dabei werden nicht nur die laufende Evaluation der Arbeitsmarktreformen und alter wie neuer Betreuungsangebote für Kinder berücksichtigt, sondern auch die kulturellen, sozialen, psychischen, physischen und gesundheitlichen Dimensionen der besonderen Lebenslage von Kindern in Armut in benachteiligten Stadtteilen mit einbezogen.

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